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KLEINER OSTSEEWEG - Der Name ist Programm

21.06.2019

Unter dem Motto “Beweg Dein Leben” veranstaltet das Team um den Organisator Torsten Dunkelmann seit 2016 erfolgreich Wanderveranstaltungen der etwas längeren Art an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern. Denn 2016 startete zum ersten Mal “DEIN OSTSEEWEG” mit 100 km in 24 h.

Mittlerweile gibt es ein paar kleinere Ableger, wo man bereits nach 50 oder 25 km das Ziel erblicken kann.

Da ich in sportlicher Hinsicht nicht nur gern laufe, sondern auch gern mit Familie oder Freunden wandern gehe, hatte ich den OSTSEEWEG schon länger auf der “Mußte mal machen – Liste”.

Tja, und so hab ich mich dann dieses Jahr als Teilnehmer des KLEINEN OSTSEEWEGS angemeldet, immerhin auch 50 km.

Ein bißchen leichtfertig war es vielleicht schon, ohne längere Probewanderungen oder andere Vorbereitungen mal eben gleich 50 km am Stück zu wandern.

Aber passend dazu stand an der Strecke bei KM 25 ein Motivationsschild mit dem Spruch: “Niemand weiß, was er kann, bis er es probiert hat.”

Außerdem sind 50 km keine 100 km, das wird schon irgendwie gehen, sagte der innere Optimist.

Schließlich bin ich gerade locker 20 km gelaufen, da werde ich wohl auch 50 km gehen können!

Und alle, die den OSTSEEWEG schon mal absolviert haben, werden bei solchen Sprüchen (mit Recht) mitleidig lächeln. 

Aber nun von Anfang an:

Der Morgen des 08.06. begann trübe und nieslig, aber mit Aussicht auf Verbesserung. Da der Start bereits 9:00 Uhr sein sollte, und ich nicht wußte, welches Getümmel mich erwartet, war ich nach einem zeitigen Frühstück bereits 07:30 Uhr vor Ort.Parkplätze waren noch genug da, problemlose Abholung der Startunterlagen und erste Gespräche mit bekannten Gesichtern.

Die Bad Doberaner Mehrzweckhalle füllte sich rasch. Interessant war die Mischung der Wanderer, sowohl bei Alter und Figur als auch bei der Ausrüstung. Es gab da “Genießer”, leistungsorientierte “Sportwanderer” und noch viele Abstufungen dazwischen. Mit meiner Proviant-Grundausstattung zählte ich mich mehr zu den Genießern.

Nach ein paar letzten Hinweisen vom Organisator und ein paar Worten vom Bürgermeister ging es dann endlich los.

Das Starterfeld war schon sehr eindrucksvoll. Die über 500 gestarteten Wanderer bildeten ein scheinbar endloses buntes Band auf dem Radweg von Bad Doberan nach Börgerende.

Ich wanderte mich langsam nach vorne durch, verweilte immer wieder bei einem netten Gespräch und genoss die Landschaft bei immer besser werdendem Wetter. Die dünne Jacke war bereits im Rucksack verschwunden.

Bis Nienhagen hatte sich der Wanderzug schon sehr auseinandergezogen. Hier gab es am Strandrestaurant Nienhagen auch bereits den ersten Verpflegungspunkt, der ein so tolles Büffet bereithielt, dass man nach einer kleinen Stärkung mit noch besserer Stimmung weiterwanderte. Obst, belegte Brötchen, Wasser, Kaffee, ... freier Ostseeblick, ... mehr geht nicht!

Frisch gestärkt ging es also weiter Richtung Börgerende, erst durch den Gespensterwald und dann ein Stück direkt am Strand entlang. Hier am Strand war der Name OSTSEEWEG quasi Programm. Der Strandabschnitt war das anstrengendste Stück Weg, aber eben auch schön und zugleich erschreckend angesichts der sichtbaren Zerstörungen der letzten Unwetter. Wenn man direkt neben der 3 m hohen Abbruchkante der ehemaligen Düne entlangwandert, nur 1 m neben der neuen Wasserlinie, beginnt man den Begriff Naturgewalt zu verstehen.

Weiter ging es von Börgerende aus über Heiligendamm Richtung Kühlungsborn, immer der Küstenlinie folgend. Das Wetter blieb trocken, wechselte aber bei teils kräftiger Brise zwischen bewölkt und sonnig hin und her. Der Wechsel des Lichtes bescherte zwischendurch immer wieder traumhafte Ansichten bzw. Aussichten in die Landschaften. Ein Gerstenfeld voller Kornblumen sieht z.B. noch toller aus, wenn ganz plötzlich die Sonne wieder auftaucht.

Kurz vor Kühlungsborn ca. bei KM 19 war beim Wohnmobilstellplatz Sanddornstrand der nächste Verpflegungspunkt. Ich hatte aber gerade unterwegs etwas aus dem Rucksack gegessen und wollte nicht aus dem Tritt kommen, also bin ich daran vorbei. Mir war auch gar nicht so richtig bewußt, dass ich da schon über 3 Stunden unterwegs war.

Bald kam die Marina Kühlungsborn in Sicht. Bei KM 21 kam ich mit zwei Jungs ins Gespräch, welche genau wie ich über die architektonische Großartigkeit der Touristenburgen lästerten. Wir blieben dann bis KM 39 zusammen. Aber erstmal mussten wir zusehen, den Touristenslalom auf der Promenade kollisionsfrei zu überstehen. Das Teilnehmerfeld hatte sich mittlerweile weit auseinandergezogen, wir hatten keine anderen Wanderer mehr in Sichtweite. Und Kühlungsborn wollte irgendwie kein Ende nehmen! Doch irgendwann lag auch Kühlungsborn hinter uns und wir näherten uns auf verschlungenen Pfaden dem Leuchtturm Buk bei Bastorf. Der Leuchtturm war natürlich eines der Highlights der Wanderung, Betonung liegt auf “high”. Von der Höhe des Leuchturmhügels hatte man einen herrlichen Blick weit auf die Ostsee hinaus. Hier war auch ein Getränkestützpunkt eingerichtet, persönlich betreut vom Chef-Organisator Torsten. Überhaupt schien Torsten irgendwie überall zu sein. Außer am Start und am Ziel habe ich Torsten noch an 5 anderen Punkten der Strecke erblickt.

Auf dem Berg schnell was zum Knabbern aus dem Rucksack geholt und dann ging es gleich weiter, damit die Beine nicht in den Pausen-Modus übergehen. Es ging eine Weile bergab, ein paar Kurven, ein paar Abzweige, .. und plötzlich kam uns die Gegend irgendwie bekannt vor. Wir waren wieder in Kühlungsborn, nur dass die Streckenmarkierungen jetzt noch eine Pfeilspitze in der anderen Richtung hatten. Also nochmal Touristenslalom auf der Promenade. Nach Kühlungsborn näherten wir uns wieder dem 2. Verpflegungspunkt, der nun also auch  der 3. und letzte Verpflegungspunkt auf der Strecke war. Hier bei KM 39 musste ich doch mal eine Pause einlegen, da ich gefühlt schon im Reservemodus ging. Mir wurde bewußt, dass ich schon 7 Stunden unterwegs war und meine Energiezufuhr etwas vernachlässigt hatte. Das ließ sich aber am Verpflegungspunkt problemlos beheben. Während ich mir Zeit nahm, zogen meine etwas jüngeren Wegbegleiter schon weiter. Als ich nach dem 2. Becher Kaffee so laaangsam wieder aufbrechen wollte, trudelte Antje, eine Kollegin meiner Frau, beim Verpflegungspunkt ein. Also hab ich mir noch einen weiteren Becher Kaffee Zeit genommen, um dann mit Antje gemeinsam zur letzten Etappe aufzubrechen.

Aua, die ersten Schritte mach der langen Pause waren irgendwie nicht mehr ganz flüssig. Die Oberschenkel waren fest und die Fersen hatten in der Schmerzempfindlichkeit auch nicht nachgelassen. Die ersten 50 m hab ich nur so’ne Art Tippelschritte gemacht, .. sah bestimmt lustig aus. Aber die Schritte wurde wieder länger, das Wetter war immer noch wechselhaft schön und die restlichen Kilometer waren bald nur noch einstellig. Ich hätte gern noch längere und kräftigere Schritte gemacht, aber beide Fersen meldeten kontinuierlich bad sectors. Bei KM 45 meldete Ferse links schlagartig eine aufgegangene Blase an, aber der Fuß war noch dran, .. also weiterwandern. Wie schön, wenn man dann endlich Bad Doberan erreicht und sich dem Ausgangspunkt der Wanderung wieder nähert.

Und wenn man dann endlich unter dem Beifall der bereits angekommenen Wanderer über das breite rote Teppichband durch den Zielbogen schreitet, ... einfach nur schön.

Ich bin dann noch eine ganze Weile in der Halle geblieben, habe die Partystimmung genossen und natürlich ebenso allen anderen Ankömmlingen begeistert applaudiert.

Am Tag danach habe ich meine Wanderschuhe untersucht und unter den Einlegesohlen im Fersenbereich ein in die Sohle integriertes ovales Gummistück mit ca. 2 mm Überhöhung(!?) gefunden. Im Internet fand ich heraus , dass dies ein Dämpfungselement sein soll. Hallo lieber Wanderschuh-Designer! Ein so hohes Dämpfungselement hat einen Rand bzw. eine Kante, welche auf längeren Strecken durch die Einlegesohle hindurch drückt. Da kann man sich doch gleich ein 2-Euro-Stück unter die Ferse legen!!!

 

Übrigens waren bereits 2017 Christine und Steffi aus unserer Laufgruppe beim OSTSEEWEG dabei, allerdings auf dem langen Kanten über 100 km.

Christine musste bei 70 km aussteigen und Steffi hat das Ziel erreicht, ... allergößten Respekt für euch beide!

Jedenfalls hab ich jetzt 2 Ziele:

1. Leichte Wanderschuhe finden, mit denen man 50 km blasenfrei übersteht.

2. 100 km OSTSEEWEG: 

 

Steffen Ostertag

 

Foto: Das Foto zeigt Steffen im Ziel. Foto: Ostertag